Weibliche Rebellion: Buch „Die Vegetarierin” – Han Kang

Eine Frau beschließt, sich vegetarisch zu ernähren, und ihr Umfeld dreht durch. Für ihren Roman „Die Vegetarierin” hat Han Kang 2024 den Literaturnobelpreis erhalten. Sie zeigt darin, wie sehr von Frauen erwartet wird, sich gesellschaftlichen Konventionen zu beugen – und was passiert, wenn sie sich dem widersetzen. 

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Yeong-hye und ihr Ehemann leben ein durchschnittliches Leben im südkoreanischen Seoul. Er geht ins Büro, sie ist Hausfrau, Kinder haben sie noch keine. Der Ehemann beschreibt seine Frau als unscheinbar und leidenschaftslos und ist damit völlig zufrieden. Das einzig Extravagante an ihr sei, dass sie keine BHs trage – das sei für ihn jedoch verkraftbar, da sie ansonsten sehr pflegeleicht sei. Bis sich Yeong-hye eines Tages nach einem Albtraum dazu entscheidet, kein Fleisch mehr zu essen.  

Für ihren Ehemann ist das eine Katastrophe: Nun bereitet seine Frau, deren Unkompliziertheit er davor so geschätzt hat, ihm Unannehmlichkeiten. Nicht nur, weil er sich von nun an auch vegetarisch ernähren muss, da sie für ihn einkauft und ihm das Essen zubereitet. Sondern auch, weil sie ihn mit ihrem Vegetarismus bei einem Geschäftsessen in Verlegenheit bringt. Doch es bleibt nicht nur bei der vegetarischen Ernährung, Yeong-hye verweigert die Nahrungsaufnahme bald gänzlich. Sie nimmt rasant ab und fängt an, sich auch in anderen Lebensbereichen Freiheiten zu nehmen. 

„Ich hatte eine ganz normale Ehefrau bekommen, ohne lästige Extravaganzen”, beschreibt Yeong-hyes Ehemann das Zusammenleben vor der Krise. „Sie stand jeden Morgen um sechs Uhr auf und machte mir Frühstück aus Reis, Suppe und gelegentlich Fisch. (…) Sie redete in der Regel nicht viel, bat mich selten um etwas und machte mir niemals eine Szene, egal wie spät ich heimkam.” Während ihr Ehemann Yeong-hye also insbesondere für die passive Instandhaltung seines Alltags schätzt, hegt ihr Schwager geheime erotische Fantasien für sie und nutzt schließlich ihre Lebenskrise, um dem nachzugehen. Ihr Vater ist währenddessen vor allem darüber wütend, dass sie ihm nicht gehorcht. Den Höhepunkt nimmt das Ganze, als er versucht, ihr bei einem Familienessen mit Gewalt Fleisch einzuflößen.

Yeong-hye ist demgegenüber größtenteils apathisch. Sie entfremdet sich von ihrem Leben und ihrem Körper, träumt von der Natur und davon, eine Pflanze zu sein. Ihr Schweigen macht ihr Umfeld umso wütender – und kann als stummer, aber kraftvoller Widerstand gegen den Versuch von außen gewertet werden, sie zu kontrollieren. „Die Vegetarierin” hat etwas Märchenhaftes und ist gleichzeitig verstörend. Der Roman erzählt von teils subtiler, teils offener Gewalt; er spricht von der Beziehung zwischen Geschlecht, Körper, Macht und Gesellschaft und zeigt, für wie viel Aufruhr es sorgen kann, wenn sich Frauen den Erwartungen anderer widersetzen.

– Lena Mändlen

Cover: https://www.aufbau-verlage.de/aufbau-taschenbuch/die-vegetarierin/978-3-7466-3333-6

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