Stille Heldin: Film „Fargo”

Wisst ihr, wer Marge Gunderson ist? Diese fiktive Figur aus dem Film „Fargo“ der Coen Brüder aus dem Jahr 1996 dürfte manchen bekannt sein. Aber auch 30 Jahre später lebt das Fargo-Universum in Form der Krimiserie munter weiter und es kann nicht schaden, noch einmal auf die Anfänge und die von der herausragenden Frances McDormand (die damals verdient ihren erstenOscar gewonnen hat) dargestellte Margie zu schauen. Unser Film-Tipp. 

fargo

Man könnte meinen, in Minnesota gibt es quasi nur Männer. Beim Autohändler ordentlich nebeneinander portraitiert an der Wand, in der Bar, auf den Straßen. In der rauen, verschneiten Gegend weit und breit nur „echtes Mannsvolk“ – und solches, das gern so wäre. Was die zunächst vorgestellten Charaktere eint, ist eine übermäßige Männlichkeitsdarstellung, der Wunsch als „ganzer Kerl“ wahrgenommen zu werden und die damit verbundene Unfähigkeit, echte Verbindungen zu anderen einzugehen.

Im Verlauf des Films kommt einem das Wort Unfähigkeit allgemein oft in den Sinn, wenn man dabei zusieht, wie stümperhaft sich eine Situation von schlimm zu katastrophal steigert. Und mit stümperhaft meine ich z.B. das Vergraben von Lösegeld mitten in einer Schneewüste vor einem gleichförmigen, kilometerlangen Stacheldrahtzaun und das anschließende Markieren der Stelle mit einem Eisschaber. 

Um an Geld für eine Geschäftsidee zu kommen, ohne den patriarchischen Schwiegervater um einen Kredit bitten zu müssen, lässt Jerry Lundgaard (William H. Macy) die Entführung seiner Frau vortäuschen. Dafür engagiert er die zwei Gauner Showalter und Grimsrud (Steve Buscemi und Peter Stormare) und dann geht das Ganze auch schon den Bach runter. Immer mehr Menschen sterben, weil die Sache von vorn bis hinten nicht durchdacht ist. Die ersten Morde aufklären soll dann die „kleine“ Margie Gunderson. Wie Jerry Lundgaard spricht auch sie im sanften „Minnesota nice“ Singsang. Sie ist im siebten Monat schwanger, lebt ein einfaches Leben mit ihrem ebenfalls als relativ einfach dargestellten, aber liebevoll fürsorglichen Mann. Am Tatort angekommen übergibt sie sich erstmal fast in den Schnee – was aber ausschließlich mit ihrer Schwangerschaft zu tun hat. Und dann geht sie direkt wieder zum Tagesgeschäft über. 

Scharf grenzt der Film die einfache, aber ehrliche Beziehung von Marge ab gegenüber Showalter und Grimsrud, die sich körperliche Nähe über Sexarbeiterinnen kaufen, miteinander aber zu keinerlei Gespräch fähig sind. Margie mag zunächst etwas naiv wirken, aber hinter der sanften, freundlichen Stimme sitzt eine beharrliche, schlaue Polizistin. Die Augen öffnet Margie schließlich das Gespräch mit einem ehemaligen Schulkameraden, der auch überaus Minnesota nice wirkt, sie aber letztlich nur über eine erlogene Geschichte über seine verstorbene Frau und seinen beruflichen Erfolg rumkriegen wollte.  

Margie lässt sich nicht beirren, beschwert sich nicht und macht den verbliebenen Mörder am Ende mit einem gezielten Schuss kampfunfähig. Im Auto fragt sie ihn: Wofür das alles? Nur für ein bisschen Geld. Sie kann es nicht verstehen.  

Marge hat Mut und Marge hat Prinzipien. Und als einzige in dieser Schneewelt eine echte Verbindung. Daheim kuschelt sie ich an ihren Mann, freut sich auf ihr Baby, freut sich ehrlich mit ihrem Normdarüber, dass ein Bild von ihm auf die 3-Cent-Briefmarke gedruckt werden wird. Denn natürlich braucht es auch die kleinen Briefmarken – immer, wenn das Porto erhöht wird.  

„Heck, Norm“, sagt sie, „you know we’re doing pretty good“. 

– Natascha Heinisch

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