„In der Hose war mehr Freiheit”: Film „Rose”

„Die wahrhaftige Beschreibung einer Land- und Leutebetrügerin, die, obwohl als eine Weibs-Person geboren dem zum Trotz unter falschem Nam als Manns-Bild sich betragen und viel üble Schandtat hat getrieben.“ Schon das Poster von „Rose“ (Regie: Markus Schleinzer) lässt keinen Zweifel daran, dass es kein Happy End geben wird. Und trotzdem fiebern wir mit. Unser Filmtipp.

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Unerwartet taucht aus den Wirren des 30-jährigen Krieges ein rätselhafter Erbe in der Gemeinde auf. Der ehemalige Soldat (fantastisch: Sandra Hüller) mit der auffälligen Narbe im Gesicht, der scheinbar unbewusst auf immer der Kugel nagt, die ihm diese Narbe zugefügt hat, lässt sich auf dem verlassenen Gutshof nieder und bringt sich fleißig in die Gemeinschaft ein. Rose, wie der Soldat eigentlich heißt, ist im Krieg zu ein wenig Geld gekommen und schafft durch das Instandsetzen ihres Hofes Arbeitsplätze; sie bringt den Männern lesen und schreiben bei.

Als Einsiedler und Sonderling könnte Rose nun vielleicht ein ruhiges Leben führen. Nur fehlt ihr Zugang zu einer Wasserquelle. Aber um den zu bekommen, müsste sie die Tochter des Nachbarn ehelichen. Und sie willigt ein, denn – so kommt tadelnd die Stimme der Erzählerin (Marisa Growaldt) daher – „ist der Notwendigkeit Genüge getan, stellt sich gern der Wunsch ein nach mehr. Denn die Gier ist ein Rausch, macht einen glauben, es stünde einem alles zu.“

Eine Stelle, über die ich in diesem sonst so herausragenden Film sehr gestolpert bin. Zum einen, weil die Stimme aus dem Off so seltsam belehrend und aus der Zeit gefallen wirkt. Zum anderen, weil Rose durchgängig pragmatisch nur tut, was notwendig ist; als sie später im Verhör gefragt wird, wie sie es sich anmaßen konnte, als Mann zu leben, sagt sie schlicht „ich hab gedacht, es geht.“

Rose wird also heiraten, der jungen Braut den Geschlechtsakt vortäuschen und dann ist die Braut auch noch schwanger (von wem wird nie gesagt)! Und trotzdem wissen wir, es wird am Ende schief gehen. Auffällig auch, dass Rose sich den Respekt der Dorfbewohner zunächst dadurch verdient, dass sie eine Bärin tötet, die ihre Jungen schützen wollte. Und auffliegt durch das Gift einer Biene (gepaart mit dem Verrat durch ihre Magd).

Alles, was Rose geleistet hat, die Arbeitsplätze, die Hilfe, der Schutz vor Raubtieren, die Bildung, die harte Arbeit: Es macht überhaupt keinen Unterschied, dass sie der aufgebrachten Menge nicht denselben Männlichkeitsbeweis liefern kann wie einer der Standardtypen aus der Gruppe. Am Ende schreibt Rose, der Herr, der kein Herr ist, die im Krieg Frauen vergewaltigen musste, um nicht aufzufliegen, und die im Gefängnis von vier Männern, die an ihr „zeigen wollten, wer Herr ist“ vergewaltigt wurde, schwanger ihre Geschichte auf. Für niemanden, außer für sich selbst. Und bittet darum, ihre eigene Hinrichtung proben zu dürfen. Selbstermächtigt bis zum bitteren Ende.

– Natascha Heinisch

Cover: Schubert, ROW Pictures, Walker+Worm Film, Gerald Kerkletz, 2026 https://pifflmedien.de/filme/rose/#downloads

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