Tabea Schroer ist Soziologin und leitet die Bundeskoordinierungsstelle des Girls’Day und Boys’Day. Im Interview spricht sie darüber, wieso Lohngerechtigkeit schon in der Schule beginnt und wie stereotype Rollenbilder bei Kindern aufgebrochen werden können.
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Was haben Schule und Gender Pay Gap miteinander zu tun?
Der Grundstein für den Gender Pay Gap wird schon in der Schulzeit gelegt, etwa durch die Fächer oder Tätigkeiten, bei denen Mädchen und Jungen besondere Bestätigung durch die Lehrkräfte oder Eltern erfahren und ihre Interessen entwickeln. Die Schule ist ein guter Ort, um darüber zu sprechen und aufzuklären.
Was ist Ziel des Girls’Day und Boys’Day?
Das Ziel ist, traditionelle Berufswahlmuster aufzubrechen und jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich praktisch auszuprobieren und dabei zu merken: Das macht mir Spaß, das kann ich gut und in diese Richtung schaue ich weiter.
Wie können stereotype Rollenbilder in der Berufswahl aufgebrochen werden?
Der Tag kann ein erster Schritt sein, um überhaupt über das Thema nachzudenken. Für eine Veränderung der Berufswahl braucht es auf verschiedenen Ebenen Strategien: Lehrkräfte müssen darin sensibilisiert werden, Mädchen und Jungen anzuleiten. Die Eltern müssen wir auch erreichen, denn sie sind der größte Faktor in der Berufswahl. Über den Tag erreichen wir all diese Zielgruppen.
Welche Gründe gibt es für Unternehmen, mitzumachen?
Einerseits können sie den zukünftigen Fachkräftenachwuchs kennenlernen und niedrigschwellig zu sich ins Haus einladen. Manche Unternehmen inkludieren das in ihre Recruitingstrategie. Andererseits zeigen sich Arbeitgeber:innen in der eigenen Region, wenn sie lokale Presse einladen. Außerdem engagieren sie sich sichtbar für Chancengleichheit und die Gleichheit der Geschlechter und beziehen damit Stellung zu Werten, die ihnen als Unternehmen und in der Personalpolitik wichtig sind.
Was sind die zentralen Ergebnisse eurer Wirkungsstudie von 2022?
Bei unseren Befragungen wurde klar, dass nach dem Girls Day für viele Teilnehmende Handwerk und MINT-Berufe zu einer echten Option geworden sind: Vor dem Tag konnten sich 6 Prozent vorstellen, im Handwerk zu arbeiten, danach waren es 17 Prozent. Bei den Jungen konnten sich 16 Prozent vorstellen, im Gesundheitsbereich zu arbeiten, und danach 22 Prozent. Der Tag hat also tatsächlich einen Effekt auf die Einstellung. Wie langanhaltend dieser ist, können wir über die Studie nicht sagen. Aber sie zeigt: Der Tag ändert etwas an der Einstellung der jungen Menschen. Die kürzlich erschienene externe Evaluation der Aktionstage bestätigt die hohen Zufriedenheitswerte der Teilnehmenden.
Mehr dazu:
Evaluation der Projekte Girls‘Day und Boys‘Day
Dieser Text ist ursprünglich im Februar 2026 erschienen.