Ein Gap kommt selten allein: Wie Gender Gaps Biografien prägen

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Der Gender Pay Gap entsteht nicht punktuell, sondern entwickelt sich über das ganze Leben – gemeinsam mit anderen Gaps, die sich gegenseitig beeinflussen und die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern mitverursachen. Ein Überblick.

Auch wenn der Frauenanteil unter den Erwerbstätigen deutlich zugenommen hat und mittlerweile 73,6 Prozent aller Frauen einer bezahlten Arbeit nachgehen, liegt der Gender Hours Gap bei 18 Prozent: Männer gehen monatlich durchschnittlich 149 Stunden einer bezahlten Arbeit nach, bei Frauen sind es nur 122 Stunden.[1]  

Anders sieht es bei der unbezahlten Arbeit aus: Frauen verbringen damit durchschnittlich knapp 30 Stunden pro Woche, Männer knapp 21 Stunden. Der Gender Care Gap beträgt damit 44,3 Prozent. Zu dieser unbezahlten Arbeit zählt insbesondere die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen sowie klassische Hausarbeit wie Kochen, Putzen und Wäschewaschen. Werden bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen betrachtet, arbeiten Frauen mit durchschnittlich fast 46 Stunden pro Woche knapp 1,5 Stunden mehr als Männer, die durchschnittlich fast 44,5 Stunden pro Woche arbeiten.[2]

Frauen sind folglich wesentlich häufiger in Teilzeit erwerbstätig als Männer: Die Teilzeitquote bei Frauen beträgt 49 Prozent, bei Männern hingegen lediglich 12 Prozent. Frauen arbeiten also mehr als viermal so häufig in Teilzeit. Unter den Eltern ist der Unterschied nochmal größer: 68 Prozent aller erwerbstätigen Mütter mit minderjährigen Kindern arbeiten in Teilzeit, bei Müttern mit Kindern unter 3 Jahren sind es sogar 73 Prozent. Bei erwerbstätigen Vätern mit minderjährigen Kindern sind es nur 8 Prozent, bei Vätern mit Kindern unter 3 Jahren 9 Prozent.[3]

All diese Unterschiede zwischen Frauen und Männern machen sich finanziell deutlich bemerkbar. Der Gender Pay Gap beträgt aktuell 16 Prozent[4] und ist bei Eltern noch viel stärker ausgeprägt als bei Frauen und Männern ohne Kinder. Unter den 30-Jährigen verdienen Mütter im Durchschnitt 70 bis 80 Prozent weniger als Väter. Bei Personen ohne Kinder im selben Alter ist der Unterschied weitaus geringer und beträgt  weniger als 5 Prozent.[5]

Nur 29,1 Prozent der Führungskräfte sind weiblich. Den Höchststand erreicht der Anteil der Frauen in Führungspositionen in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen, wo er bei 35 Prozent liegt, danach nimmt er stetig ab. In den Altersgruppen zwischen 35 und 54 Jahren liegt er bei etwa 30 Prozent, bei den 55- bis 64-Jährigen bei 26,1 Prozent und bei den 65- bis 74-Jährigen schließlich bei 24 Prozent.[6]

Für die ökonomische Ungleichheit zwischen Frauen und Männern ist nicht nur das direkte regelmäßige Erwerbseinkommen, sondern auch das Nettovermögen von Bedeutung, denn es gibt Auskunft über die längerfristige finanzielle Absicherung und Eigenständigkeit. Dabei spiegeln sich Unterschiede im Erwerbseinkommen auch in Unterschieden im Nettovermögen wieder. Der sogenannte Gender Wealth Gap berücksichtigt Vermögenswerte wie Immobilien, Sparkonten, Aktien oder andere Investments abzüglich Schulden und Verbindlichkeit. Dieser Unterschied im Nettovermögen zwischen Frauen und Männern liegt in Ostdeutschland bei 26 Prozent und in Westdeutschland bei 31 Prozent.[7]

Das unterschiedliche Erwerbseinkommen schlägt sich im Alter nieder: Frauen ab 65 Jahren beziehen durchschnittlich Alterseinkünfte von rund 1.720 Euro im Monat, bei Männern sind es rund 2.320 Euro. Der Gender Pension Gap beträgt damit 25,8 Prozent. Ohne Hinterbliebenenrenten ist dieser nochmal größer und liegt bei 36,9 Prozent.[8]

Der Gender Lifetime Earnings Gap beschreibt die Lücke in den erwarteten Lebenserwerbseinkommen zwischen Frauen und Männern. Für die heute etwa 40-Jährigen betrug dieser zum Zeitpunkt der Erhebung (2020) 45 Prozent in West- und 40 Prozent in Ostdeutschland. Das bedeutet: Auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet verdienen Frauen nur etwas mehr als die Hälfte der Erwerbseinkommen der Männer.[9]

[1]Statistisches Bundesamt (2025)
[2] Statistisches Bundesamt (2024)
[3] Statistisches Bundesamt (2025)
[4] Statistisches Bundesamt (2025)
[5] Blömer, M. J. (2024)
[6] Statistisches Bundesamt (k.A.)
[7] Overweg, C. & Weiland, A. (k.A.)
[8] Statistisches Bundesamt (2025)
[9] Bönke, T. et al. (2020)

– Lena Mändlen, EPD Team

Dieser Text ist ursprünglich im Februar 2026 erschienen.

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