„Gleichberechtigte Elternschaft ergibt sich nie von selbst” – Interview mit Lisa Bendiek

Foto – Autorin Lisa Bendiek

Lisa Bendiek ist politische Bildnerin, Moderatorin und Dolmetscherin. Im Buch „Lesben sind die besseren Väter” zeigt sie mit ihrem Wissen als queere Mutter und vielen Studien, warum Care-Arbeit und Berufstätigkeit in den meisten heterosexuellen Familien noch immer nicht gleichberechtigt aufgeteilt sind. Mit uns spricht sie darüber, was queere Eltern besser machen und was hetero Paare von ihnen lernen können.

Wie bereiten sich queere Eltern auf das Eltern-Sein vor?
Schon die Frage „Woher kriegen wir ein Kind?” muss verhandelt und entschieden werden. Die Psychologin Lisa Green hat erforscht, welche Fragen lesbische Paare diskutieren, bevor sie Kinder bekommen: 85 % haben darüber gesprochen, wie sie Kinderbetreuung organisieren wollen; 77 %, wie auch die nichtgebärende Mutter eine möglichst enge Bindung zu dem Kind aufbauen kann; und 75 %, wie sie Sorge- und Umgangsrecht im Falle einer Trennung regeln wollen.[1|

Was machen queere Eltern deiner Meinung nach besser?
Die egalitäre Rollenverteilung: Verschiedene Formen von Arbeit werden gleichmäßiger verteilt, sodass alle Beteiligten ähnlich viel Freizeit und Freiraum haben. Das bedeutet bei den meisten Regenbogenfamilien, dass Leute etwa gleich viel Zeit mit Lohnarbeit, Hausarbeit und Kinderbetreuen verbringen. Durch gemeinsame Entscheidungen und Absprachen ist es eher selten, dass Leute mit einer Rollenverteilung enden, die sie niemals so wollten.[2]

Was können heterosexuelle Paare daraus lernen?
Gleichberechtigung ergibt sich nie von selbst, wir müssen sie uns erarbeiten. Lesbische Paare besprechen in der Regel vor der Familiengründung, wer welche Aufgaben übernehmen will. Auch in Zwei-Mütter-Familien kümmert sich in den ersten Jahren nach der Geburt oft eine Person mehr um das Kind als die andere. Nach dieser Phase kehren sich jedoch die Rollen wieder um und es gibt einen langfristigen Ausgleich von Arbeitsverteilung.[3] Genau dieser Ausgleich findet in den meisten heterosexuellen Familien nie statt. Durch strukturelle Rahmenbedingungen wie das Ehegatt:innensplitting und den Gender Care Gap wird außerdem Ungleichheit zwischen Müttern und Vätern weiter forciert. Dabei zeigt das Beispiel von Zwei-Mütter-Familien: Es ist möglich, als Familie diese einseitige Arbeitsteilung und damit die Rollenverteilung aufzubrechen. 

Warum sind Familien mit aktiven Vätern glücklicher?
Ein besserer Vater ist für seine Kinder präsent, physisch und emotional verfügbar. Wir sind soziale Wesen, nahe und verlässliche soziale Beziehungen machen uns glücklich. Viel mehr als Geld oder beruflicher Status – Anforderungen, die der traditionellen Männerrolle zugeschrieben werden. Deswegen sind Familien glücklicher, in denen sich alle beteiligten Eltern die Zeit nehmen, solche Beziehungen zu pflegen.

Quellen:

[1] An der Studie haben 2004 und 2005 105 lesbische Paare teilgenommen. Green, Lisa (2006). 
[2] Farr, R. H., / Patterson, C. J. (2013). Goldberg, A. E., / Perry-Jenkins, M. (2007). 
[3] Buschner, Andrea (2014).

Das gesamte Interview mit Lisa Bendiek gibt’s im Podcast!

Dieser Text ist ursprünglich im Februar 2026 erschienen.

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