Filmtipp: „Morgen ist auch noch ein Tag“

Diskriminierung von Frauen, häusliche Gewalt, das Frauenwahlrecht: Die 2023 erschienene italienische Tragikomödie „Morgen ist auch noch ein Tag“ setzt sich mit schwerwiegenden Themen rund um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern auseinander. Warum die Handlung obwohl der Film nach dem zweiten Weltkrieg spielt auch heute relevant ist und was das Ganze mit equal pay zu tun hat: Lest selbst!

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Im Rom der Nachkriegszeit: Delia kümmert sich um ihre drei Kinder und ihren Ehemann, pflegt ihren kranken Schwiegervater, schmeißt den Haushalt, geht einkaufen und erledigt nebenbei alle möglichen Jobs, um etwas dazu zu verdienen. Im Gegenzug bekommt sie: nichts. Ihr Ehemann Ivano versäuft sein Geld und schlägt sie; sein Vater belästigt und tyrannisiert sie; bei ihren sowieso schon schlecht bezahlten Jobs verdient sie teils weniger als ihre männlichen Kollegen. Der einzige Lichtblick in Delias Alltag sind die Momente, in denen sie sich mit ihren Freundinnen fast schon verschwörerisch über ihre missliche Lage in den patriarchalen Strukturen des Nachkriegsitaliens austauscht.

Dass sich Delia nicht von ihrem Ehemann trennt, ist für ihre Tochter Marcella unverständlich. Denn dass dieser sie regelmäßig schlägt, ist ein offenes Geheimnis: Kinder und Nachbar:innen wissen Bescheid, was passiert, wenn Fenster und Türen geschlossen werden. Teils finden diese Szenen auch für Zuschauer:innen im Off statt, teils wird die Gewalt als Tanz inszeniert. Diese Form des Kontrasts zwischen Leichtigkeit und Gewalt zieht sich durch den ganzen Film, der die schwere Thematik mit viel trockenem Humor auflockert. Das veranschaulicht gut, dass Delia mittlerweile so an diese Gewalt gewöhnt ist, dass sie ihr – zumindest scheinbar – nichts mehr anhaben kann.

Trotz des Unverständnisses in ihrem Umfeld schließt Delia die Trennung von ihrem Ehemann aus – schließlich ist sie finanziell und gesellschaftlich abhängig von ihm. Stattdessen setzt sie all ihre Hoffnung in ihre Tochter, die bald heiraten soll und für die sie sich ein besseres Leben wünscht als für sich selbst. Die Regisseurin Paola Cortellesi, die gleichzeitig Delia spielt, wurde durch das Leben ihrer eigenen Großmütter inspiriert – und schafft es, dass „Morgen ist auch noch ein Tag“ trotz des Ausmaßes an Gewalt Hoffnung birgt. Zum einen, weil die anstehende Einführung des Frauenwahlrechts in Italien Frauen ein großes Stück mehr Autonomie verspricht. Zum anderen, weil der Film zeigt, wie mächtig es sein kann, wenn sich Frauen füreinander einsetzen.

Die Handlung mag zwar in den 1940er Jahren spielen, ist jedoch auch heute nicht nur historisch relevant. Denn laut Bundeskriminalamt waren 2022 in Deutschland 71,1 % der Opfer häuslicher Gewalt weiblich, jede Stunde werden mehr als 14 Frauen Opfer von Partnerschaftsgewalt. Ein zentraler Grund, warum Frauen häufig in Gewaltbeziehungen bleiben: Sie sind finanziell von ihren Partnern abhängig. Auch deswegen setzen wir uns für gleiche Bezahlung ein: weil equal pay eine Grundvoraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben ist.

– Lena Mändlen

Foto: Mianet Tobis

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