Prof. Dr. Katja Möhring leitet seit 2023 den Lehrstuhl für Soziologie, insbesondere Familia und Arbeit (SFA) an der Universität Bamberg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Lebensverlauf, Alter, Ungleichheit und Sozialpolitik. Tamara Toro Teutsch ist Journalistin, Soziologie-Masterstudentin und studentische Hilfskraft am SFA-Lehrstuhl. Sie erklären, wieso equal pay nicht mit dem Erwerbsleben aufhört.
Foto Katja Möhring: Benjamin Herges
Das geschlechtsspezifische Lohngefälle ist seit Jahren bekannt – doch oft wird übersehen, dass sich diese Ungleichheit auch im Alter fortsetzt. Besonders Mütter sind betroffen: Ihre Renten liegen im Schnitt deutlich unter denen von Männern.
Ungleiche Erwerbs- und Lebenswege
Die Soziologin Katja Möhring zeigt in ihrer Forschung, wie Erwerbsbiografien, Kindererziehungszeiten und Mütterrenten die Altersversorgung von Frauen prägen. Jedes Jahr stabiler Erwerbstätigkeit wirkt positiv auf die Rente, während Unterbrechungen durch Kindererziehung oder Arbeitslosigkeit Frauen besonders hart treffen. Grund dafür ist die nach wie vor stark ungleiche Arbeitsteilung: Männer können dank unbezahlter Sorgearbeit ihrer Partnerinnen Vollzeit arbeiten, während bei Frauen das Rentenniveau mit zunehmender Ehedauer sinkt.
Der internationale Blick
Besonders in Ländern mit hoher Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt findet wenig Ausgleich im Rentensystem statt. Ein Vergleich von 13 europäischen Ländern macht deutlich:
- In Basisrenten-Systemen wie in Dänemark oder Schweden werden Folgen instabiler Erwerbsbiografien abgemildert.
- In beitragsbasierten Systemen wie Deutschland oder Italien spiegeln Renten fast eins zu eins die Ungleichheiten im Erwerbsleben wider.
Das Ergebnis hier: Je stärker die Ungleichheit am Arbeitsmarkt, desto größer der „Mother Pension Gap“.
Strukturelle Hürden bleiben bestehen
Die meisten europäischen Rentensysteme bevorzugen noch immer den „klassischen“ männlichen Lebensverlauf mit jahrzehntelanger Vollzeitbeschäftigung. Aufstockungen für Kindererziehungszeiten – wie in Deutschland die „Mütterrente“ – ändern daran wenig.
Warum das Thema uns alle betrifft
Die Equal-Pay-Debatte darf nicht beim Erwerbsleben enden. Es geht nicht nur um heutige Einkommen, sondern auch um die Absicherung im Alter. Ein Blick auf die Rentensysteme zeigt, wie tief Ungleichheiten verankert sind – und wie dringend Lösungen gebraucht werden, die den vielfältigen Lebensrealitäten von Frauen gerecht werden und nicht gleichzeitig die Ungleichheit am Arbeitsmarkt fördern.
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Dieser Text ist ursprünglich im Februar 2026 erschienen.