Aufwertung der Krankenpflege: Neue Chancen durch die Digitalisierung?

tom heilmann

Tom Heilmann ist Soziologe und forscht am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen zu Fragen des Arbeitsmarktes und der sozialen Sicherung. In seinem Promotionsprojekt untersucht er, unter welchen Voraussetzungen tarifliche Aufwertungen von Berufsgruppen realisiert werden. Seit Mai 2021 ist er zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS) tätig. 

Die Arbeit in der Krankenpflege geht nicht erst seit der Corona-Pandemie mit hohen Belastungen einher. Ein Vergleich von Arbeitsanforderungen und Bezahlung zeigt, dass der Beruf der Krankenpflegefachkraft deutlich schlechter bezahlt wird als ähnlich anspruchsvolle Jobs.>1

Die Folge: Ein Attraktivitätsproblem der Branche, das den Fachkräftemangel befördert. Die verhältnismäßig geringe Bezahlung trägt zudem zum Gender Pay Gap bei; sind doch nach wie vor 80% der Beschäftigten in der Krankenpflege Frauen. 

Schon seit Längerem wird deshalb eine Neubewertung der Arbeit von Krankenpfleger:innen gefordert. Kann der Einsatz von digitalen Technologien zu einer Aufwertung des Berufsfeldes beitragen? 

Mit dem Einsatz von Technologien wie elektronischen Patientenakten, digitalen Monitoringsystemen sowie der Verbreitung smarter Pflegewagen, Tablets und anderer mobiler Geräte können Pfleger:innen Zusatzqualifikationen erwerben. Gleichzeitig könne man Prozesse effizienter gestalten, Belastungen senken und damit die Arbeit in der Krankenpflege wieder attraktiver machen – so die Hoffnung. 

In bestimmten Bereichen birgt die Digitalisierung das Potenzial für Verbesserungen; sie schafft aber auch neue Anforderungen für die Pflegenden. Die Bedienung neuer Geräte und Softwareanwendungen muss erst erlernt werden. Belastungen entstehen auch durch das Gefühl der ständigen Erreichbarkeit, der Sorge vor dem digitalen Tracking der eigenen Arbeitsleistung und gestiegene Anforderungen an die Dokumentation von Arbeitsschritten, die (auch) eine Folge neuer digitaler Möglichkeiten sind.  

Studien zeigen deshalb, dass die Digitalisierung aktuell nicht zu einer merklichen Verringerung der Arbeitsbelastungen oder einer Aufwertung der Krankenpflege führt – auch weil die aktuell verbreiteten Digitaltechnologien die Arbeit an und mit den Patient:innen nicht wesentlich verändern und neue, der Digitalisierung entspringende Anforderungen nicht bei der Entgeltfindung berücksichtigt werden. >2

Die Digitalisierung allein wird nicht zu einer Aufwertung des Berufsfelds führen. Sie kann aber ein Anstoß sein, um auf einer generelleren Ebene über die Neubewertung der Krankenpflege zu diskutieren, zu der neben Verbesserungen beim Personalschlüssel auch die Anhebung der Verdienste gehört. Dies wäre auch ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Lohngerechtigkeit. 

1 Klammer, Klenner, Lillemeier (2018): „Comparable Worth“ – Arbeitsbewertungen als blinder Fleck in der Ursachenanalyse des Gender Pay Gaps?, S. 40-43.
2 Heilmann (2020): Aufwertung der Krankenpflege – Welchen Beitrag kann die Digitalisierung leisten?

 

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