WERTSACHE Arbeit

#EqualPayDay2019

Fair ist, wenn Gleiches gleich bewertet wird – das gilt auch und vor allem für die Entlohnung von Arbeit. Unter dem Motto WERTSACHE Arbeit wollen wir im Kampagnenjahr 2019 über den Wert und die Bewertung von männlicher und weiblicher Erwerbsarbeit aufklären, zur Diskussion anregen und zeigen: Lohngerechtigkeit ist möglich, wenn wir bei der Bewertung von Arbeit die gleichen Maßstäbe ansetzen - für Mann und Frau!

Unterstützen Sie uns dabei, die Lohnlücke zu schließen und treten Sie mit uns gemeinsam für eine gleichberechtigte Zukunft ein.

Auftaktforum zur Equal Pay Day Kampagne am 14. November 2018 in Berlin

Unter dem Motto „WERTSACHE Arbeit“ startete am 14. November die Kampagne zum Equal Pay Day 2019 im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSJ). Uta Zech, Präsidentin des BPW Germany e.V. führte in das Thema ein und stellte fest: „Nichts ist unveränderlich“. Die Lohnlücke muss nicht hingenommen werden. Für Veränderungen braucht es die richtigen Anreize wie beispielsweise Erneuerungen im Steuersystem oder bessere Möglichkeiten, was die partnerschaftliche Aufteilung der Familienarbeit betrifft. Für den 18. März 2019 gilt deshalb noch mehr als in den Jahren zuvor: „Machen, Rausgehen, Verbündete suchen und Wandel anstoßen.“ Im Anschluss begrüßte Staatssekretärin Juliane Seifert. Sie berichtete von den aktuellen politischen Bemühungen rund um die Aufwertung von Sozial- und Pflegeberufen und warb für mehr Frauen in Führungspositionen, um den Thomas-und-Michael-Kreislauf  auf deutschen Führungsebenen endlich aufzubrechen.

Den ersten Impulsvortrag hielt Dr. Nora Markard von der Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. (GFF). Die Juristin schilderte ein Praxisbeispiel aus dem Journalismus und stellte die Arbeit der GFF vor. Mithilfe von ausgewählten Fällen sowie strategisch und langfristig geplanten Klagen sollen Grundrechte gestärkt werden. Im konkreten Fall zur Entgeltgleichheit berät und begleitet die GFF eine preisgekrönte Frontal 21-Journalistin, die für die gleiche Tätigkeit weniger Gehalt erhält als ihre männlichen Kollegen. Nach Abweisung der Klage in der ersten Instanz vor dem Arbeitsgericht Berlin steht nun in zweiter Instanz die Berufung an.

Sarah Lillemeier vom Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen lieferte im Anschluss wichtige Impulse für die nachfolgende Diskussion und das diesjährige Motto der Kampagne „WERTSACHE Arbeit“. Mithilfe der vier Dimensionen, nämlich Wissen und Können, psycho-soziale Anforderungen, Verantwortung, physische Anforderungen,  des „Comparable Worth“ (CW) Index wurde erstmals eine Methode entwickelt, um die Anforderungen und Belastungen in verschiedenen Berufen geschlechtsneutral durch ein Punktesystem zu vergleichen. Das Ergebnis: Ingenieure und Ingenieurinnen erhalten so beispielsweise eine ähnliche Bewertung wie Betreuungsberufe im Gesundheitswesen. Die Verdienstlücke zwischen den beiden Gruppen macht deutlich, wie konsequent „weibliche“ Berufe unterbewertet und damit auch geringer entlohnt werden. (

Dass Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern kein Frauenthema sind, betonte Martin Speer. Als Teil des Autoren- und Aktivistenteams Herr & Speer, Botschafter der HeforShe-Kampagne, setzt er sich bewusst in seiner Rolle als Mann für Gleichstellung ein. Für Männer, so Speer, ginge es dabei nicht darum „den Frauen den Feminismus“ zu erklären. Vielmehr sollte zugehört werden, um ein eigenes Bewusstsein für weibliche Problemlagen zu entwickeln. Ist dieses einmal vorhanden, wird der männliche Blick für Geschlechterungerechtigkeiten automatisch geschärft. Dann heißt es, aufzustehen, diesen entgegenzutreten und andere Männer mitzunehmen.

Die anschließende Podiumsdiskussion zum Thema „WERTSACHE Arbeit“ – wo stehen wir heute und wo wollen wir hin?“ wurde von Uta Zech moderiert. Julia Backhaus, Gründerin Oh You Women, Brigitte Kowas, Bundessprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen, Prof. i.R. Uta Meier-Gräwe, Professur für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes spannten den Bogen vom geringeren Mädchentaschengeld über Minijobs und die Rentenlücke bis zu Equal Pay auf dem Land. Auch sie betonten die Notwendigkeit von veränderten Anreizsystemen, um der strukturellen Schlechterstellung weiblicher Erwerbsarbeit entgegenzutreten. Daneben brauche es immer noch ein größeres Problembewusstsein für die finanziellen Auswirkungen von Lebensentscheidungen bei den einzelnen Frauen.

Die Impulse und Diskussionen haben vor allem gezeigt, wie dringend wir eine Neubewertung von Tätigkeiten brauchen, um echte Chancengleichheit und Gleichwertigkeit zu erzielen. Genau dies wird die “WERTSACHE Arbeit” im kommenden Kampagnenjahr in den Fokus stellen.

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