Auftakt der EPD Kampagne 2017

Endlich partnerschaftlich durchstarten - mit diesem Motto startete am 18. Oktober die Kampagne zum 10. Equal Pay Day in Deutschland. Nach dem erfolgreichen Auftakt fanden am 19. Oktober und am 23. November die Fachtagungen statt.

Die Filme der Vorträge finden Sie in der > EPD Mediathek oder im > BPW Germany YouTube Channel.
Fotos der Veranstaltungen finden Sie bei > Flickr.
Weiter Informationen zu den Fachtagungen sowie die Präsentationen der Referierenden finden Sie im > Equal Pay Wiki.

endlich partnerschaftlich durchstarten - Auftakt der EPD Kampagne 2017

 

EPD Auftaktveranstaltung am 18. Oktober 2016 in Berlin
Passend zum Motto „endlich partnerschaftlich durchstarten“ hat Bundesministerin Manuela Schwesig zusammen mit ihrer schwedischen Amtskollegin, Åsa Regnér, Ministerin für Kinder, Senioren und Gleichstellung, die Kampagne zum 10. Equal Pay Day in Deutschland gestartet.
Ministerin Schwesig betonte, dass die Kampagne zum Equal Pay Day in den vergangenen 10 Jahren das Thema Lohngerechtigkeit in der Öffentlichkeit verankert habe. Wenn es schon die Lohnlücke gebe, dann muss diese auch benannt werden. Frauen und Männer müssten gemeinsam diese Herausforderung annehmen. Chancengleichheit sei nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit sondern stärke die Zukunftsfähigkeit Deutschlands.

Phumzile Mlambo-Ngcuka, Executive Director UN Women, würdigte die Equal Pay Day Kampagne und die Verankerung des Themas Lohngerechtigkeit in der öffentlichen Debatte. Daneben sei das geplante Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit ein wichtiger Schritt in Richtung Gehaltstransparenz, so Bundesministerin Schwesig. Ministerin Regnér skizzierte, dass auch in Schweden eine Lohnlücke von noch rund 14 Prozent besteht. Grund hierfür sei, dass Frauen vorwiegend im öffentlichen Sektor, Männer hingegen häufiger in der Industrie tätig seien. Ministerin Regnér betonte, dass in Schweden der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wert der Gleichstellung von Frauen und Männern einen hohen Stellenwert genieße.

In der folgenden Diskussion berichtete Edeltraud Walla, Werkstattleiterin an der Universität Stuttgart, von ihrem Klageverfahren, welches sie gegen ihren Arbeitgeber führt. Ein Kollege auf gleicher Position wurde höher eingruppiert und verdiente ca. 1.200 Euro im Monat mehr. Nachdem sie durch Zufall von diesem Missstand erfuhr, legte sie Beschwerde vor Gericht ein. Jedoch haben alle Instanzen bis hin zum Bundesarbeitsgericht die ungleiche Bezahlung bestätigt – weil die Eingruppierung des Kollegen auf Basis seiner früheren Tätigkeiten erfolgt sei. Das Bundesverfassungsgericht habe die Klage ohne Begründung abgewiesen. Derzeit werde erwogen, den Fall vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen. Julia Beerhold, Schauspielerin und Mitglied im Vorstand des Bundesverbands Schauspiel, berichtete von der angeblichen „Kommissarinnen-Schwemme“ in den Tatort-Produktionen, die als solche wahrgenommen werde, obwohl nicht einmal die Hälfte, sondern lediglich 40 Prozent der Kommissare tatsächlich weiblich sind. Die Lohnlücke in ihrem Metier entstünde nicht nur durch die schlechtere Bezahlung der Schauspielerinnen, sondern auch dadurch, dass Frauen seltener für tragende Rollen verpflichtet würden.

EPD Fachtagung am 19. Oktober 2016 im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin
Die erste Fachtagung in Berlin nahm die partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit sowie Gehaltstransparenz unter die Lupe. Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, führte in ihrem Vortrag aus, dass die funktionale Arbeitsteilung innerhalb eines Haushalts nicht mehr der Lebensrealität entspreche. Hausarbeit werde nicht mehr allein von der Frau und Erwerbsarbeit nicht mehr allein vom Mann ausgeübt. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, müssten neue Arbeits-, Karriere- und Arbeitszeitmodelle geschaffen werden. Zu diesen könnten Führung in Teilzeit oder eine 32-Stunden-Arbeitswoche für beide Elternteile zählen. Anpassungen an diese neue Lebensrealität seien auch im Sozialsystem notwendig.

Nicolas Werner, International Partnerships Manager bei Glassdoor, zeigte in seinem Vortrag, dass die Lohnlücke eine Herausforderung darstellt, die nicht nur in Deutschland oder Europa präsent sei, sondern weltweit. Befragungen durch Glassdoor haben gezeigt, dass vor allem Gehaltstransparenz ein wichtiger Baustein in Richtung Lohngerechtigkeit sei.

Diesen Punkt hob auch Steffen Zoller, Geschäftsführer von kununu, hervor. Gehaltstransparenz sei zwar kein Allheilmittel gegen ungleiche Bezahlung, doch ein wichtige Maßnahme, um gerechte Löhne durchzusetzen. Unternehmen hätten noch Angst vor Transparenz oder Neiddebatten, doch transparente Gehaltsstrukturen steigerten maßgeblich die Reputation eines Unternehmens.

EPD Fachtagung am 23. November 2016 im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration in München  
Die Fachtagung in München thematisierte die Rolle von Unternehmen  in der Umsetzung von Lohngerechtigkeit. Prof. Dr. Martina Schraudner, Leiterin Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation am IAO, zeigte in ihrem Vortrag, dass es im Moment aufgrund der Digitalisierung ohnehin notwendig ist, sich mit dem Thema Unternehmenskultur auseinanderzusetzen und dabei die Chance zu nutzen, auch all das zu integrieren, was dazu beiträgt, Frauen in Führungspositionen zu bringen und Lohngleichheit herzustellen. Weiterhin ließe sich feststellen, dass  sobald eine Familiengründung ansteht, bei Frauen und Männern gleichermaßen die Sicherheitsanforderungen steigen während parallel dazu die Mobilität sinkt. Damit gibt es keinen Grund mehr, an dieser Stelle die Frauen zu benachteiligen.

Ana-Cristina Grohnert, Managing Partner Talent und Partner EMEIA Financial Services, Ernst & Young, wies eindrücklich darauf hin, dass es der Verankerung in jedem einzelnen Prozess bedarf, um den Anteil der Frauen über die Karriereleiter hinweg stabil zu halten. Zielvorgaben und Messbarmachung spielen von der Rekrutierung über die Leistungsbeurteilung bis zur Beförderungspraxis dabei eine wichtige Rolle. Es sei wichtig, Führungskräfte ebenso wie Frauen, Möglichkeiten zur Reflexion zu geben, um zu erkennen, wie sehr sie von ihrem jeweiligen Umfeld geprägt sind.

Torsten Bittlingmaier, Gründer von TalentManagers machte darauf aufmerksam, dass die Unwucht innerhalb eines Unternehmens vergleichsweise gering erscheint, homosoziale Reproduktion (Schmidt sucht Schmidtchen) sich noch hartnäckig halte und die Relevanz der unternehmensinternen Vernetzung für den beruflichen Erfolg immer noch unterschätzt würde. Die Führungskultur spiele eine entscheidende Rolle dabei, dieses System, das bisher vor allem Männer gefördert hat, zu verändern. Er regte zudem eine gesellschaftliche Diskussion darüber an, warum uns Berufe, die sich um Technik oder Geld kümmern, mehr wert sind als Berufe, die sich um Menschen kümmern und mahnte eine gerechtere Verteilung der unbezahlten Arbeit an.